21.05.2022 – Ortsdurchfahrt Leuben ohne Radweg

Veröffenticht am 21.05.2022  von


Quelle: OAZ – Freitag, 20. Mai 2022

Straßenbau Leuben: Extraspur für Radfahrer fehlt

Einige Oschatzer Stadträte sind verärgert über Ausbaupläne für die Ortsdurchfahrt

Die Stadtverwaltung Oschatz will prüfen, ob auch in Leuben eine Fahrspur für Radfahrer ähnlich wie in Markkleeberg (Foto) abgetrennt werden könnte. Foto: Andre Kempner

Leuben. Ende des Monats sollen die Baufahrzeuge anrücken. Bis Mitte November wird der Stadtteil Leuben dann eine einzige Baustelle sein. Die Ortsdurchfahrt soll auf einer Gesamtlänge von über 600 Metern ausgebaut werden. Über das Vorhaben informierte Bauamtsleiter Torsten Heinrich zur jüngsten Ratssitzung auf Antrag des Stadtrates Falk Zschäbitz (FDP).

Ein Detail der Planung sorgte schließlich für eine kontroverse Diskussion im Stadtrat: Ein Radweg ist auf dem größten Teil der Ausbaustrecke nicht vorgesehen. Ich bin schockiert darüber, dass wir einen Radweg nicht hinbekommen haben. Das gehört beim Ausbau einer Straße einfach dazu“, sagte Zschäbitz. Besonders die Schüler, die von Leuben zur Schule in Richtung Naundorf oder Schweta fahren, seien auf dieser Strecke gefährdet.

Auch David Pfennig (Grüne) äußerte sein Unverständnis: „Ich finde es traurig, dass es keinen Radweg in Richtung Naundorf geben wird. Mir fehlt das Umdenken in den Behörden, dass ein Radweg einfach sein muss.“ Uta Schmidt (Grüne) schlug vor, doch wenigstens nach dem Vorbild der Stadt Leipzig eine Fahrspur auf der Straße mit unterbrochenen Linien für Radfahrer abzugrenzen. Diesen Vorschlag will die Verwaltung nun prüfen. Und Henry Korn (Freie Wähler) regte die Prüfung an, ob ein kombinierter Rad- und Fußweg möglich sei.

Wie sehen die Leubener selbst das Problem? Laut Stadtrat Marek Schurig (CDU), der in Leuben wohnt, werde die Straße nach Naundorf nicht von vielen Radfahrern benutzt. Für einen Radweg ein Stück der Straße abzutrennen, werde nicht funktionieren, da die Fahrbahn zu schmal sei.

Genau das ist das Grundproblem. „Der Straßenkörper gibt den Bau eines Radweges nicht her“, erläuterte Bauamtsleiter Heinrich. Und die Leubener selbst, ergänzte Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos), hätten beim Vorstellen der Pläne für den Ausbau ihrer Ortsdurchfahrt im Rahmen einer Hauptausschusssitzung kein Interesse an dem Vorhaben gezeigt.

Bei der Ausbaustrecke handelt es sich um zwei Kreisstraßen, für die der Landkreis Nordsachsen verantwortlich ist. Knapp 1,6 Millionen Euro sind insgesamt für das Vorhaben kalkuliert. Die Stadt Oschatz ist für den Bau der Fußwege, der Zufahrten zu den Grundstücken und die Straßenbeleuchtung zuständig und übernimmt knapp die Hälfte der gesamten Baukosten. Derzeit gibt es noch zwei Bushaltestellen, die durch eine zentrale Haltestelle auf dem Standort des früheren Gemeindehauses ersetzt werden sollen.

Dass die Ausbauplanung noch einmal grundsätzlich geändert wird, ist eher unwahrscheinlich. „Der Drops ist gelutscht“, sagte Oberbürgermeister Kretschmar.

 

Kommentar

Freitag, 20. Mai 2022 Oschatz

Radweg gehört einfach dazu

Rad fahren wird immer beliebter – auch in der Region Oschatz. Erst hat die Corona-Pandemie diesen Trend zur umweltfreundlichen Fortbewegung verstärkt. Jetzt sind es die gestiegenen Spritpreise in Folge des Krieges gegen die Ukraine, die noch mehr Schwung in die Pedale bringen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Information, dass beim bald beginnenden Straßenausbau im Oschatzer Stadtteil Leuben größtenteils auf den Bau eines Radweges verzichtet werden soll, wie aus der Zeit gefallen. Das Argument, dass die Fahrbahnbreite einen extra Radweg nicht hergegeben hätte und die Anwohner auch nicht zum Verkauf von dafür benötigten Flächen bereit gewesen wären, zieht nur bedingt. Denn ein kombinierter Rad- und Fußweg, wie er an etlichen Straßen im Stadtgebiet Oschatz existiert, wäre mit etwas gutem Willen sicher auch unter den beengten Verhältnissen in Leuben möglich gewesen. Dass die Planung zwei Wochen vor dem Baubeginn Ende Mai dafür noch einmal über den Haufen geworfen wird, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

Deshalb sollte das Versäumnis in Leuben wenigstens als Denkzettel für künftige Straßenbauvorhaben der Stadt Oschatz verstanden werden. Als nächstes größeres Projekt steht der Ausbau der Ortsdurchfahrt im Stadtteil Merkwitz auf der Agenda. Bei der Planung sollte hier unbedingt an den Bau eines Radweges oder zumindest eines kombinierten Rad- und Fußweges gedacht werden. Damit es in Merkwitz nicht wie jetzt in Leuben ein böses Erwachen gibt.

E-Mail: f.hoeruegel@lvz.de