Oschatz. Am 12. Juni stimmen die Oschatzer über ihren künftigen Oberbürgermeister ab. Vier Männer und eine Frau bewerben sich um das Amt an der Spitze der Großen Kreisstadt. Wir stellen die Kandidaten im Porträt vor. Heute: Falk Zschäbitz, der für FDP und Freie Wähler antritt.

Es sind turbulente Wochen für Falk Zschäbitz. Ständig auf Achse zu sein, das ist der 44-Jährige gewohnt, schließlich ist das schon sein Job: Er arbeitet als Disponent und Busfahrer. Und als begeisterter Fußballer ist er am Wochenende oft als Schiedsrichter im Einsatz und pfeift auf den Plätzen der Region. Doch jetzt ist der Merkwitzer im Wahlkampf und dadurch noch öfter unterwegs als sonst.

„Der Tag könnte ruhig ein paar Stunden mehr haben“, ist denn auch sein Fazit aus der jüngsten Zeit. Der Kandidat von FDP und Freien Wählern für die Oberbürgermeisterwahl in Oschatz besucht Unternehmen und Vereine, trifft sich zu Gesprächen im kleinen Kreis und nimmt weiter seine Arbeit im Stadtrat wahr. „Meine Familie macht das zum Glück alles mit. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt er. Doch weil eben nicht immer alles geht, hat er den Sport gerade etwas reduziert. „Wenn ich dazu komme, genieße ich es, aber einige Aufgaben habe ich an andere abgegeben. Wir sind ein toller Verein – da funktioniert so etwas gut“, beschreibt er. Und sonst müsse man eben einfach mal etwas früher aufstehen, um alles zu schaffen, sagt er leichthin.

Falk Zschäbitz ist seit 2009 Stadtrat in Oschatz, er kennt die Themen, die die Menschen beschäftigen und hat seine Vorstellungen, wie es in der Stadt weitergehen soll. Die Infrastruktur für Familien gehört dazu, aber auch die Entwicklung der Ortsteile oder die Unterstützung der Wirtschaft. „Viele Unternehmer treibt die Sorge um, keine Auszubildenden mehr zu finden. Viele junge Leute zieht es zum Studium oder generell in größere Städte“, hat er erfahren. Hier müssten die Rahmenbedingungen für Lehrlinge attraktiver werden, findet er.

„Ich würde gern den Landkreis mit ins Boot holen, um das Berufsschulangebot in der Region auszubauen“, nennt er eine Idee und schiebt die Frage nach, warum es eigentlich immer die Jugendlichen aus dem ländlichen Raum sein müssen, die zur Berufsschule teils weite Wege auf sich nehmen sollen. „Die Leipziger könnten genauso gut dazu nach Oschatz kommen“, findet der Kandidat.

Was den Leuten sonst noch auf den Nägeln brennt, erfährt er auch durch seine Mitstreiter im Stadtrat. „Die Fraktion unterstützt mich, das ist wichtig. Trotzdem versuche ich, so viele Termine wie möglich auch allein wahrzunehmen. Ich will die Menschen schließlich überzeugen, mir ihre Stimme zu geben.“

Wenn Falk Zschäbitz dazu unterwegs ist, dann oftmals auf vertrautem Terrain. „Nein, ich muss Oschatz nicht erst entdecken“, winkt er ab. Immerhin sei er seit 28 Jahren durch den Sport unterwegs und kenne das Gebiet auch durch seinen Beruf. Ob Maibaumstellen, Kinder- oder Dorffest – irgendwo kennt der 44-Jährige immer jemanden und kommt schnell ins Gespräch. „Ich bin gerne auf Tour“, sagt er und man nimmt es ihm ab.

Zur Entspannung fährt Zschäbitz, der mit seiner Partnerin und dem gemeinsamen Sohn in Merkwitz lebt, zum Camping – aber sicher erst wieder nach der Wahl – oder geht auf den Sportplatz.

Allerdings, versichert er, empfinde er die Zeit momentan nicht als besonders anstrengend. „Ich habe mich ja bewusst für die Kandidatur entschieden, weil ich Oschatz weiter voranbringen und hier etwas positiv entwickeln möchte.“ Deshalb sei er Stadtrat geworden und nun bereit, auch im Rathaus selbst mehr Verantwortung zu übernehmen.

Schon als Jugendlicher engagierte sich Falk Zschäbitz ehrenamtlich und begann mit 16 Jahren seine Trainertätigkeit im Verein. „Etwas aufzubauen, das liegt mir“, sagt er selbstbewusst.

Dass er nun vor der Wahl viele Fragen beantworten muss und Themen noch einmal vertieft werden, sei für ihn keine Überraschung. „Ich wollte das so und kann diese spannende Zeit auch genießen“, versichert er. Angeregt und angenehm seien die meisten Gespräche. Aber eben auch nicht nur. „Gegenwind wird es immer geben, damit muss man klarkommen“, findet der 44-Jährige.

Das kennt er schon aus seiner Tätigkeit als Schiedsrichter. Auf dem Platz wird man naturgemäß nicht von allen geliebt und muss Entscheidungen treffen, die nicht immer gut ankommen. Wenn es dann hitzig wird, hat Falk Zschäbitz seine Strategie: „Sachlich bleiben und bestimmt auftreten, dann kann man sich auch hinterher noch in die Augen sehen.“ Und das gelte im Übrigen auch für den Wahlkampf, findet er.