Oschatz. Knapp 150 politisch interessierte Frauen und Männer haben am Dienstagabend beim OAZ-Talk zur OBM-Wahl im Thomas-Müntzer-Haus gehört, was sich die Bewerber Ilka Pohl (49 Jahre alt, Einzelbewerberin), Tobias Heller (36 Jahre alt, AfD), David Schmidt (39 Jahre alt, Einzelbewerber) und Falk Zschäbitz (44 Jahre alt, FDP) im Fall eines Wahlsieges am 12. Juni für die Entwicklung der Stadt Oschatz vorgenommen haben. Der fünfte Kandidat Danny Kaschel (Einzelbewerber) war nicht dabei, weil er derzeit einen Feuerwehrlehrgang besucht.

Die Kandidaten mussten sich nicht nur den Fragen der Moderatoren Jana Brechlin und Nico Fliegner aus der Redaktion Oschatz stellen, sondern wurden auch von den Gästen in die Mangel genommen. Diese Themenkomplexe wurden diskutiert.

■ Was macht Oschatz für Sie besonders lebens- und auch liebenswert?

David Schmidt: „Oschatz ist meine Heimat, ich lebe gerne hier.“ Heimat sei für ihn eng mit der Familiengeschichte verbunden. Sein Wohnhaus befinde sich seit 200 Jahren in Familienbesitz. Seine Urgroßväter seien Bürgermeister in verschiedenen Dörfern der Region gewesen. Ältere Leute hätten ihm deshalb gesagt, dass er auch Bürgermeister werden müsse.

Tobias Heller: „Einfach die Verwurzelung hier in der Region, unsere Heimat und unsere Tradition, die wir hier pflegen.“ Die Menschen, die die Orte aktiv mitgestalteten, zeichneten die Region aus. „Und darauf bin ich auch stolz.“

Ilka Pohl: „Mir gefällt es hier, ich bleibe hier. Oschatz hat sehr, sehr schöne Ecken, wo man mal runter fahren kann.“ Sie komme außerdem gut mit den Leuten zurecht.

Falk Zschäbitz: „Ich stamme von hier, mein Großvater war Schuhmachermeister in der Seminarstraße.“ Die Stadt habe sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt – gerade durch die Landesgartenschau. „Und ich möchte, dass es hier voran geht.“

■ Wie könnte eine Identität für Oschatz – analog der Sportstadt Riesa – aussehen?

Ilka Pohl: Die Bekanntheit von Oschatz durch die Landesgartenschau 2006 sei mittlerweile „etwas verblasst“. Oschatz sei eine sehr grüne Stadt zwischen Dresden und Leipzig. „Ansonsten finde ich es ein bisschen langweilig.“

Tobias Heller: Die Landesgartenschau, die Oberbürgermeister Andreas Kretschmar 2006 nach Oschatz geholt habe, habe Strahlkraft für die Region entfaltet. „Was mir darüber hinaus fehlt, ist: Wie mache ich daraus eine Marke, wie kann ich die Leute herlocken?“

Falk Zschäbitz: „Unser Slogan heißt ja immer noch: die Gartenstadt am Collm.“ Es gebe immer noch viele Gärten, wenn auch mit Leerstand. Der O-Schatz-Park biete Potenzial, um mehr aus diesem „ganz tollen Gelände“ zu machen.

David Schmidt: „Oschatz hat die erfolgreichste Nachnutzung einer Landesgartenschau überhaupt.“ An dieser Stelle gab es erstmals Applaus vom Publikum. Bei der Vermarktung von Oschatz dürfe nicht nur die Gartenstadt am Collm eine Rolle spielen, sondern auch die St. Aegidienkirche. Sein Vorschlag für einen neuen Slogan: „Oschatz, der Schatz im Herzen Sachsens.“

■ Welche Ideen haben Sie, um Investoren anzulocken, die dann auch Arbeitsplätze in der Produktion schaffen?

Falk Zschäbitz: „Es ist ganz wichtig, dass wir mit den Unternehmern vor Ort sprechen.“ Gewerbeflächen müssten für eine schnelle Nutzung vorgehalten werden. Das Berufsschulzentrum in Oschatz müsse attraktiver gemacht werden, damit auch Berufsschüler aus Leipzig und Dresden hierher zum Lernen kämen. Das wäre dann auch für die hiesigen Gewerbetreibenden attraktiv.

Tobias Heller: Die Illusion, dass hier größere Gewerbeansiedlungen wie in den 90er oder 2000er Jahren erfolgen könnten, teile er nicht. „So realistisch muss man auch sein.“ Die Strahlkraft von Leipzig und Dresden reiche nicht bis Oschatz. „Das macht es für den Oberbürgermeister und die Wirtschaftsförderung allgemein ein bisschen schwerer.“

■ Kann man es Pendlern einfacher machen?

David Schmidt: Das Pendeln in Richtung Leipzig sei in Ordnung. „In Richtung Dresden wird es schwierig durch die Schallmauer der Verbünde.“ Vergleiche man die Region etwa mit Großstädten wie Frankfurt am Main, dann liege Oschatz im Speckgürtel von Leipzig und Dresden. „Wir brauchen noch ein bisschen Geduld. Aber ich denke: In zehn Jahren sieht Oschatz ganz anders aus.“

■ Hat Oschatz eine lebendige Innenstadt, wo sehen Sie Chancen?

Ilka Pohl: Es werde zwar viel versucht. Dennoch gebe es viele leer stehende Häuser. „So schön die Innenstadt ist: Sie ist trotzdem leer – außer an den Markttagen.“ Es fehle an Kunst, Kultur und Gastronomie im Stadtzentrum, dass die Leute draußen sitzen bleiben und sich wohl fühlen könnten. „Ich würde gern die Altoschatzer Straße zur Hospitalstraße als Spielstraße deklarieren.“ Somit könnten mehr Sitzplätze im Freien angeboten werden. Fußgänger müssten Vorrang vor den Autos haben.

Falk Zschäbitz: „Wir haben an sich eine relativ gute Struktur in der Innenstadt und eine sehr gute Werbegemeinschaft.“ Es dürften jedoch nicht alle Fußwege zugestellt werden. Man müsse auch an die vielen alten Menschen denken, die auf Rollstühle angewiesen seien.

■ Welchen Stellenwert hat Wirtschaftsförderung für Sie als Oberbürgermeister?

David Schmidt: „Ich würde als erstes versuchen, ein City-Management zu etablieren.“ Die Arbeit der Werbegemeinschaft sei sehr gut, jedoch ehrenamtlich. Man brauche aber auch eine professionelle Steuerung für die Belebung der Innenstadt.

Tobias Heller: Für die Vermarktung gebe es die Oschatzer Freizeitstätten GmbH. Eine neue Stelle müsse dafür nicht extra geschaffen werden. Für ihn stehe die Innenstadtbelebung auch auf der Agenda. Er würde darauf aber nicht das Hauptaugenmerk legen. Wichtiger sei die Verkehrsinfrastruktur.

Falk Zschäbitz: „Wirtschaftsförderung haben wir in den letzten Jahren im Stadtrat immer wieder auf der Agenda gehabt.“ Das Problem von Oschatz sei aber: „Wir sind zwar mittendrin, aber ziemlich weit weg von den großen Städten.“ Wichtig sei deshalb, dass die Autobahnanbindung über Wermsdorf verbessert werde.

■ Würden Sie das Innenstadt-Management in professionelle Hände legen?

Ilka Pohl: Es gebe schon viele engagierte Leute in der Freizeitstätten GmbH oder der Werbegemeinschaft. Ganz wichtig sei, den Tourismus anzukurbeln.

■ Wofür muss Oschatz dringend Geld ausgeben?

Falk Zschäbitz: „Für mich ist der wichtige Schritt, dass wir den Grundschul-Hausbau wirklich vollziehen.“

Ilka Pohl: „Auf alle Fälle muss in die Kinder- und Jugendarbeit investiert werden.“ Die Vereine müssten gestärkt werden.

David Schmidt: Die Spielräume seien eng, wenn alles umgesetzt werde, was der Stadtrat bereits beschlossen habe. Hauptsächlich werde in Bildung investiert, was eine mutige Entscheidung des Stadtrates sei. Mittel für zusätzliche Projekte seien eher nicht vorhanden.

Tobias Heller: In die Verkehrsinfrastruktur müsse investiert werden. Zum Beispiel in die Bahnhofstraße – auch wenn das keine kommunale Straße sei. „Da müssen einfach mal die Klinken geputzt werden in Dresden.“

■ Was kann man gegen die Überalterung der Einwohner von Oschatz tun?

Tobias Heller: „Wir haben einen Antrag in den Stadtrat zur Bildung eines Seniorenbeirates eingebracht.“ Der Antrag sei leider nicht angenommen worden. Aus Sicht der AfD-Fraktion müssten zum Beispiel die Ortsteile mit angebunden werden. Das könnte eine Aufgabe für den Seniorenbeirat sein.

David Schmidt: „Man muss attraktiven Lebensraum schaffen.“ Dann würden Menschen auch hierher ziehen und eine Familie gründen.

■ Wie kann man junge Menschen hier halten?

Falk Zschäbitz: Die Vereine müssten mehr unterstützt werden, was auch jungen Leuten zu Gute kommen würde. Zudem müssten attraktive Jobs geschaffen werden, um den „demografischen Wandel ein kleines bisschen zu stoppen.“

Ilka Pohl: „Berufsschulzentrum ausbauen und Lehrstellen schaffen.“ Den Jugendlichen müsse auch etwas geboten werden wie zum Beispiel in der Kulturbastion Torgau.

■ In den letzten zwei Jahren gab es auch in Oschatz-Spaziergänge und Demos gegen die Corona-Politik. Hat die Corona-Krise die Oschatzer gespalten? Was wollen Sie für ein Miteinander tun?

Tobias Heller: Corona hat beim Vereinsleben vieles kaputt gemacht. „Da müssen wir in der Stadt auch viel moderieren.“

Ilka Pohl: „Ich glaube nicht, dass die Oschatzer generell gespalten sind.“ Man müsse die Leute in Entscheidungen einbeziehen – in einer Art Bürgerfonds, wo man die Bürger über kleinere Projekte mit entscheiden lasse.

Falk Zschäbitz: „Ich sehe keine großartige Spaltung in Oschatz.“ Die Corona-Spaziergänge seien ja auch eine Art Gesundheitsförderung gewesen.

David Schmidt: „Ich habe mich bewusst für Oschatz und den Slogan entschieden: Oschatz gemeinsam gestalten.“ Das sei eine Einladung an die Bürger, Oschatz zusammen in die Zukunft zu führen.